Nagymányok

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Nagymányok (deutsch: Großmanok) liegt an der nordöstlichen  Seite  des Mecsekgebirges, am südlichen Rand des Komitats Tolnau, 50km Kilometer von Pécs  entfernt. Der südliche Teil ist hügelig, ansonsten ist die Landschaft eben.

Nagymányok hat circa 2600 Einwohner und erhielt im August 2009 die Stadtrechte. Circa die Hälfte der Einwohner sind Deutschungarn. Aufgrund des hohen Anteils dieser Bevölkerungsgruppe gibt es eine Minderheitenselbstverwaltung.

Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch, ebenso gibt es eine kleine evangelische und eine neuapostolische Kirchengemeinde, die jeweils eine eigene Kirche unterhalten. Die Katholische Kirche ist im Barockstil erbaut, an der Fassade sind Gedenktafeln an die beiden Weltkriege angebracht. Ein Baudenkmal ist auch das Pfarrhaus daneben. Die Heilgenstatuen Nepomuk und Wendelin, die vier Kapellen , der Kalvarienberg in der Siedlung, das Heimatmuseum der Ungarn-deutschen Bauerntradition sowie das Denkmal der Bergleute sind eine Besichtigung wert.

Neben dem städtischen Kindergarten gibt es eine Grundschule mit zweisprachigen Unterricht (ungarisch/deutsch) sowie eine weiterführende Schule mit integrierter Musikschule und angeschlossener öffentlicher Bibliothek. Weiterhin trägt die Stadt ein Seniorenheim. Die Kulturhalle ist Treffpunkt der kulturellen Vereine sowie Veranstaltungsort.

Hauptkulturträger Nagymányoks sind die Trachtengruppe „Glück auf“ mit Tanz und Musikgruppe und einem Chor, die alte Traditionen mit Tracht und Liedgut pflegen.Das Jugendblasorchester Nagymányok pflegt moderne und traditionelle Weisen. Ebenso gibt es noch einen zweiten Chor „Vox Humana“, dieser pflegt insbesondere traditionelle und modernes ungarisches Liedgut.

Auch der Sport ist mit Fußball, Handball, Judo und Tischtennis vertreten.Selbstverständlich gibt es in der Stadt auch eine Freiwillige Feuerwehr. Weitere Vereine sind der Verein der Weinfreunde, die Gewerkschaft der Bergleute, Aerobicclub, Club gesundes Leben, Handarbeitskreis,Gartenfreundeskreis, Heilgymnastikclub, Rentnerclub sowie den Verein der Unternehmer, Kaufleute und Landwirte.

Die Minderheitenselbstverwaltung ist aufgrund des Minderheitenschutzes der Vereinten Nationen / der Europäischen Union ist dort einzurichten, wo ein hoher Anteil von Minderheiten vorhanden ist. Aufgrund dieser gesetzlichen Grundlage gibt es in  Nagymányok eine Minderheitenselbstverwaltung. Nähere Informationen zu diesem Thema am Ende des Textes.

Bis zum auslaufenden 19. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage ausschließlich durch die Landwirtschaft geprägt. Zwischen 1887 und 1964 wurde Steinkohle abgebaut, diese Entwicklung hatte großen Einfluss auf die damalige Gemeinde. Heute befinden sich in Nagymányok viele kleine und mittlere Handwerksbetriebe, in kleinem Umfang landwirtschaftliche Betriebe  und Winzer.

Die Schuhfabrik „Stuco“ ist der größte ansässige Betrieb und stellt die meisten Arbeitsplätze. Die derzeitige hohe Arbeitslosigkeit ist nach wie vor ein Problem, hier ist Kommune bestrebt Investoren zu finden.

 

Geschichte der Stadt – kurz gefasst

Schon während der Völkerwanderung war das Dorf besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung von Nagymányok erfolgt in 1437. Vorherige Ortsnamen waren Maneg (1015), Manhud (1333), Manyk (1361), Manyuk (1400) und Manyok 1432.

Während des Tatarenfeldzuges wurde die kleine Gemeinde völlig verwüstet (1241/1242).  Fast 400 Jahre später erfolgte die zweite Vernichtung von Großmanok mit dem Vormarsch der Türken auf Europa. Nach der 150jährigen Türkenherrschaft mussten die von den Türken besetzten Landesteile neu bevölkert werden. 1669 war das Dorf vollkommen entvölkert.

Die ersten deutschen Ansiedler erhielten am 05. Juni 1722 den Ansiedlungsschein für Großmanok. Der ersten Ansiedlung folgte eine zweite und eine dritte, so dass Großmanok am Anfang des 19. Jahrhunderts nur deutsche Einwohner hatte. 1811 hatte das Dorf 1030 Einwohner, um die Jahrhundertwende verdreifachte sich die Bevölkerungszahl.

1877/1878 wurde das Bergwerk eröffnet. Erst 1890 begannen die ersten Großmanoker im Bergwerk zu arbeiten. Der Großmanoker Kohlenbergbau spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Dorfes. Dadurch erhöhte sich die Einwohnerzahl, die Industrie entwickelte sich fortschrittlicher. Dies hatte auch positiven Einfluss auf dem sozialen, kulturellen und sportlichen Leben.

1872 wurde das Eisenbahnnetz, 1918 das Stromnetz ausgebaut, 1873 erhielt Großmanok die erste Schule, 1890 folgte eine Klosterschule für Mädchen direkt in Nähe der Kirche.

Erster und zweiter Weltkrieg forderten hohe Opfer der Großmanoker Bevölkerung. 1947 erfolgte die Zwangsumsiedlung der deutsch ungarischen Bevölkerung, die Hälfte der Einwohner wurden nach West- oder Ostdeutschland ausgesiedelt. 1945 wurden Szeklerfamilien aus Oberungarn in Nagymányok angesiedelt.

In der zweiten Hälfte der 4oer Jahre begann eine neue Epoche von Nagymányok.

 

Minderheitenschutz

Das Gesetz über die Rechte der Nationalitäten hat das ungarische Parlament im Jahre 2011 verabschiedet. Ab § 17 sind die kollektiven Nationalitätenrechte geregelt:

Unveräußerliche kollektive Rechte der Nationalitäten sind:

  • Wahrung, Pflege, Stärkung und Vererbung ihrer Selbstidentität,
  • Wahrung und Entwicklung ihrer historischen Traditionen und ihrer Sprache, die Pflege und Bereicherung ihrer sachlichen und geistigen Kultur.
  • Bei der Ausübung ihrer mit der Nutzung der Gemeinschaftssamen verbundenen Rechte haben die Nationalitäten das Recht, die historisch entstandenen Gemeindenamen, Straßennamen und sonstige, für die Gemeinschaft bestimmte geographische Bezeichnungen zu benutzen.
  • Die Nationalitätengemeinschaften haben das Recht,im gesetzlichen Rahmen Einrichtungen zu errichten und zu betreiben, diese von einem   anderen Organ zu übernehmen, auf eine Kindergartenerziehung der zur Nationalität angehörenden Kinder, auf ihre Grundschulerziehung und Schulung, ihre Verpflegung in Nationalitätenschulheimen, ihre Erziehung und Bildung in Gymnasien, Fachmittelschulen und auf ihre Ausbildung in Fachschulen, auf ein Hochschulstudium, ferner sind sie berechtigt,
  • durch ihre Landesselbstverwaltung die Schaffung der Bedingungen für ergänzende Nationalitätenrechte und Bildung anzuregen und an deren Ausgestaltung mitzuwirken.
  • Ungarn sichert den Nationalitätengemeinschaften – im gesetzlichen Rahmen – das Recht zu, ihre Veranstaltungen und Feste ungestört zu veranstalten, ihre baulichen, kulturellen, pietätischen und religiösen Andenken und Traditionen zu wahren, ihre Symbole zu verwenden.
  • Den Nationalitätenorganisationen steht das Recht zu, umfassende und direkte internationale Kontakte auszubauen und aufrechtzuerhalten.

 

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